Barfuß im Muttental unterwegs
Seit Anbeginn gehen Menschen barfuß, der Bewegungsapparat ist genau daraufhin optimal angepaßt. Schuhe sind erst seit der Mitte des 20. Jahrhunderts in allen Schichten der Bevölkerung verbreitet.
Barfußlaufen ist gesund!
Möglichst oft auf Schuhe zu verzichten und den natürlichen Gang auf eigenen Sohlen zu wählen wird von verschiedenen Seiten empfohlen. Gesundheitsministerium, Krankenkassen, Othopäden, Phlebologen und Sportmediziner propagieren es, denn:
- Gelenke und Bewegungsapparat werden geschont. Beim Barfußlaufen wird der Fuß nicht zuerst mit der Ferse, sondern mit dem Ballen aufgesetzt, in Sprunggelenk und Knie wird der Stoß durch Muskelarbeit abgefangen, der sonst (mit Schuhen) mit großer Heftigkeit bis in die Wirbelsäule fährt. Rückenschmerzen werden vermieden oder gemildert. Die angeblich in Schuhen wirksame "Dämpfung" stellt sich bei wissenschaftlicher Betrachtung als hohler Werbegag heraus, der der Absatzförderung der (Sport-) Schuhindustrie dienlich sein soll.
- Da die umfangreiche Sensorik der Fußsohlen nicht von der Außenwelt abgeschirmt ist, weiß der Körper, welche Belastungen vorliegen. Da infolgedessen die Rückenmuskulatur zum Ausgleich gegengespannt wird, wirkt auch dies Rückenschmerzen entgegen.
- Durch die größere Beweglichkeit, die Einbeziehung der (in Schuhe faktisch stillgelegten) Zehenmuskulatur und die Temperaturreize wird die Durchblutung in den Beinen wesentlich verbessert. Dadurch können geübte Barfußläufer bis zum Gefrierpunkt auf Schuhe verzichten, ohne "kalte Füße". Für eine gewisse Zeit gehen auch Temperaturen ein paar Grad im Minus, was auf Neuschnee ein ganz besonderes und angenehmes Erlebnis beschert! Streusalz (das ohnehin verboten ist) sollte man allerdings meiden.
- Barfußläufer konnen ebensowenig Fußpilz bekommen wie "Stinkefüße". In beiden Fällen fehlt das notwendige feucht-warme Klima, wie es in Schuhen zu finden ist.
- Da die (mechanischen) Hebel wesentlich kürzer sind, und das Gelände "erspürt" wird, ist ein "Umknicken" (= Supinationstrauma) nahezu unmöglich.
- Es treten weniger Fußschäden auf, denn die verformenden Kräfte der Schuhe entfallen, die Muskulatur wird trainiert und eine natürliche, gesunde Fußhaltung wird erhalten bzw. wiedergewonnen.
- Die Rutschgefahr auf glattem, nassem und schlammigem Grund ist geringer, weil man das Rutschen spürt und sich anpassen kann.
Barfußlaufen ist angenehm
Das Laufen ohne Schuhe ist zu allen Jahreszeiten angenehm. Je nach "Trainingszustand" können ohne weiteres Temperaturen im leichten Frostbereich erreicht werden. Vordergründig paradoxerweise haben oft barfüßige Fußgänger subjektiv und objektiv wäremere Füße, als die, die neben ihnen mit Schuhen unterwegs sind.
- Keine schwitzenden, überhitzten Füße mehr
- Keine brutal durch enges Schuhwerk zusammengepreßten Füße, keine Druckstellen, keine "Hühneraugen"
- Das angenehme Gefühl des Kontaktes zur "Mutter Erde".
- Bei Regen die Gelegenheit, durch Pfützen zu laufen (und Sebastian Kneipp läßt grüßen).
- Bei Neuschnee die Möglichkeit zum Schneegehen (und Sebastian Kneipp freut sich).
- Die Anregung, immer aufs Neue die wechselnde Struktur des Untergrundes zu spüren.
Barfußpfade
Die Barfußpfade, von denen in den letzten Jahren immer mehr errichtet werden, bieten die Möglichkeit, unter Anleitung erste sensorische Erfahrungen mit dem Gehen auf verschiedenen natürlichen Untergründen zu sammeln.
Leider gibt es in Witten noch keinen Barfußpfad, der nächstgelegene befindet sich in Hattingen.
Ammenmärchen
Über angebliche Folgen und Gefahren des Barfüßigkeit werden verschiedenste Ammenmärchen verbreitet, die sich, da die Befürchtenden keine konkrete Erfahrung haben, als reine Phantasieprodukte herausstellen:
- Blasen- bzw. Nierenentzündungen - wenn Sie mal einen erheiterten Urologen erleben wollen, sprechen Sie darüber mit ihm!
- Unmittelbar zu erwartende Erkältung - das Gegenteil ist der Fall, die täglichen Kneiipschen Anwendungen führen zur Abhärtung, stärken die Abwehrkräfte und bewahren vor Erkältungskrankheiten.
- Gefahr durch Scherben - das wird extrem überschätzt. Wenn man die Füße setzt und nicht über den Boden schleift, können flach liegende Scherben nichts ausrichten, insbesondere, wenn die Fußsohle durch etwas Training fester geworden ist. Etwas auf den Weg achten sollte man immer -- wie auch mit Schuhen.
- Überbelastung auf hartem Grund - das Gegenteil ist der Fall: Nach Forschungen des Evolutionsbiologen Daniel Liebermann (Universität Harvard) ist die Belastung mit Schuhen siebenmal so hoch wie ohne Schuhe. Schuhe schaden nicht nur den Füßen, sondern auch den Gelenken bis hin zur Wirbelsäule.
- (Weiters folgt)
Am Anfang nicht übertreiben!
Wer das Barfußlaufen beginnen will, muß wissen, daß der Körper sich auf den durch Schuhwerk induzierten falschen Bewegungablauf angepaßt hat. Verschiedene Muskelgruppen usw. sind verkümmert (atrophiert). Er/sie sollte für den Einstieg einige Hinweise beachten:
- Die Fußsohle ist zu Anfang noch sehr dünn und vor allem überempfindlich, jedes Sandkorn wird als Felsbrocken gemeldet.
- Die Muskulatur wird anders (natürlicher) beansprucht und muß sich an diese Beanspruchung anpassen, das kann im Wadenbereich zu leichtem Muskelkater führen.
- Auch Knorpel, Bänder und Sehnen müssen sich anpassen. Da diese nicht direkt vom Blutkreislauf erreicht werden, geht die Anpassung recht langsam vor sich.
- Die Temperaturanpassung braucht ihre Zeit. Beste Jahreszeit zum Beginn ist der Frühsommer, im ersten Winter werden Frosttemperaturen nicht zu erreichen sein. Ab dem zweiten Winter können tiefere Temperaturen erreicht werden, je nach Konstitution bis in den leichten Frostbereich (sofern man sich dabei bewegt). Insgesamt nimmt die Käleempfindlichkeit ab und das Wärmegefühl zu.
- Aus all dem ergibt sich: langsam beginnen und nur stundenweise barfuß laufen, vor allem im ersten Jahr darf man nichts übertreiben und soll immer auf den eigenen Körper hören, nichts erzwingen wollen.
Barfußschuhe?
Nachdem sich herumgesprochen hat, daß Barfußlaufen gesund ist, haben sich findige Geschäftsleute etwas ausgedacht, womit man auch damit noch Geld verdienen kann. Es stellt sich die Frage, wozu das gut sein soll.
Links zum Thema
Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums für das Barfußwandern
Sendung des WDR Fernsehens Quarks & Co vom Juli 2011
(Weitere folgen).
© 1999-2012 Ruhrstadt-Verlag Witten. Alle Angaben ohne Gewähr. Die Auswahl und evtl. Bewertungen sind subjektiv und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Verbindlichkeit. Bitte beachten Sie auch die Hinweise im Impressum! Anregungen und Änderungswünsche bitte per Kontaktformular! (2012.02.03-14:10:19)